Problematik mit der Fichte


Die Trockenperioden der letzten Jahre haben Österreichs Wälder massiv unter Druck gesetzt. In den letzten 5 Jahren wurden jährlich etwa 17,6 Mio. Erntefestmeter (Efm.) Holz nachhaltig genutzt. Davon waren 6,8 Mio. Efm. Schadholz verursacht durch Windwurf, Schneebruch und Borkenkäfer [1].
 
Die Fichte bildet mit einem Anteil von 90% die Grundlage für die nationale Sägerundholzproduktion und nachfolgende Produkte der Holzindustrie. Allerdings ist die Fichte auch sehr anfällig für Schäden durch Wind, Insekten und Schneebruch. Im 5-Jahres Schnitt wurden über 40% des Fichtenholzes als Schadholz genutzt; 2018 lag der Anteil bei über 50% [1].
 
Besonders die Schäden durch Borkenkäfer haben, begünstigt durch Trockenheit und längere Vegetationsperioden, stark zugenommen. Hier traten in den letzten beiden Jahren Allzeitrekorde ein: 2017 mit 3,5 Mio. Efm. und 2018 sogar 5,2 Mio. Efm. Besonders im Wald- und Mühlviertel sind nach einer Reihe von Trockenjahren Rekordmengen mit großflächigen Schäden in Fichtenwäldern aufgetreten (siehe Grafik) [2].

 

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 Vorboten des Klimawandels

Die Daten der Waldinventur zeigen, dass die Fichte, mit abnehmender Tendenz in den letzten Jahrzehnten, immer noch auf etwa 57% der Waldfläche zu finden ist [3]. Anfällig sind Fichtenwälder außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebietes, vor allem im Alpenvorland, Alpenostrand, subillyrischen Hügelland und in Teilen des Wald- und Mühlviertels. In der untenstehenden Abbildung (historisches Klima) sind diese Zonen als rot bis orange markierte Bereiche zu sehen. Darüber sind durch schwarze Punkte Fichtenvorkommen in - derzeit als unnatürlich ausgewiesenen - Seehöhenstufen dargestellt. Demzufolge sind etwa 20% der Verbreitungsfläche als standortsfremd anzusehen [4].
 
Durch den Klimawandel werden Extremjahre zunehmen und Trockenheit und Borkenkäferprobleme eher die Regel als die Ausnahme darstellen. Großflächige Waldwirtschaft mit Fichte wird in diesen Gebieten unwirtschaftlich werden.  Im Klimawandel wird eine Temperaturzunahme von 2,3°C bis 4°C  im Jahresmittel bis zum Ende des Jahrhunderts erwartet. Die „Problemzonen“ der Fichte werden sich dadurch um 200 bis 400 Höhenmeter nach oben ausdehnen und insgesamt 40% der derzeitigen Fichtenvorkommen betreffen. Es werden auch die derzeit großflächig mit Fichte bestockten Rand- und Zwischenalpen stärker erfasst werden (siehe Abbildungen zum Klimawandel).
 
Bei der derzeitigen Diskussion um die Zukunft des Brotbaums Fichte wird oft vergessen, dass sie dennoch auf etwa 60% ihrer derzeitigen Fläche oder, anders gesagt, einem Drittel der nationalen Waldfläche (1,3 Mio. Hektar) ein Teil der natürlichen potentiellen Waldgesellschaft ist [4]. Die Fichte wird auch bei zukünftigem Klima einen wesentlichen wirtschaftlichen Faktor darstellen. Es gibt jedoch in großen Zonen besonderen Anpassungsbedarf, um die ökonomische und ökologische Funktion der Fichte auf geeigneten Standorten zu sichern.

 

 

Klima_historisch

Fi_sekundär

Punkte: Sekundäre Fichtenvorkommen auf den Punkten der österreichischen Waldinventur, ausgeschieden nach Schweinzer & Starlinger in Höhenstufen je Wuchsgebiet  [4].

Hintergrundkarte: Statistische Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von Fichte im historischen Klima 1961-1990. Daten aus dem Projekt SUSTREE [5,6].  

legend_sustree

Klimawandel_RCP45

Klimawandel_RCP85

Punkte: Sekundäre Fichtenvorkommen auf den Punkten der österreichischen Waldinventur, ausgeschieden nach Höhenstufen je Wuchsgebiet, mit um 200m nach oben gesetzter Grenze.

Hintergrundkarte: Statistische Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von Fichte im Klimaszenario. Daten aus dem Projekt SUSTREE [5,6].


[1] Prem J., Ehgartner P. (2019) Holzeinschlagsmeldung für das Jahr 2018, Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus, Abteilung III/1, Wien.

[2] Steyrer G. , Perny B. , Hoch G. (2019): Das Schadholz rasch aus dem Wald entfernen, Homepage BFW, https://bfw.ac.at/rz/bfwcms.web?dok=10535, (24.06.2019).

[3] Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus (2019): Waldinventur des BFW: Daten und Fakten, Homepage BMNT, https://www.bmnt.gv.at/forst/oesterreich-wald/waldzustand/waldinventur2019, (15.07.2019).

[4] Schweinzer K.-M. & Starlinger F. (2013): Natürliche und sekundäre Fichtenvorkommen in Österreich, BFW Praxisinfo (31): 7-9.

[5] Thuiller W. (2019): The BIOMOD package, http://www.will.chez-alice.fr/index.html (24.07.2019)

[6] vom Projekt SUSTREE zur Verfügung gestellte Karten der Wahrscheinlichkeit von Fichtenvorkommen im historischen Klima und in 2 Klimawandelszenarien. Species Distribution Model (SDM) geschätzt mithilfe eines Modellensembles im Packet BIOMOD2.